Erster Deutscher Meister

im Beach Ultimate Frisbee

Mitten im Oktober begab sich ein riesen Möwenschwarm gen Süden, alle Seagulls zog es ins warme Malle… Alle Seagulls? Nicht ganz: Neun Möwen flogen entgegengesetzt des restlichen Schwarms gen Norden an die Küste von Greifswald, um die ersten Deutsche Meisterschaften im Beach Ultimate Frisbee auszuspielen. Acht Möwen, eine Neu-Möwe aus Göttingen, zwei Baby-Möwen und ein kleiner Junge mit großem Möwenherz.

 

Der Goldene Oktober präsentierte sich zwar nicht als golden, aber dennoch von seiner milderen, trockenen Seite mit 17°C und wolkigen Himmel. Über die Vorzüge einer Beach-DM im Herbst kann man sich streiten, festzuhalten bleibt aber: Endlich mal ein Strandturnier, bei dem man keine Sonnenmilch brauchte.

Unser erstes Spiel am Samstag startete 10:55 Uhr gegen die JINX aus Berlin, die mit 14 laufstarken Spielerinnen angereist waren. Kein Grund für uns, die Schnäbel in den Sand zu stecken. Die ersten Punkte waren gescort, alle wach und hatten Bock zu zocken! Es war anstrengend und wir mussten uns die Scheiben erarbeiten. Also hoch das Knie und Zickzack über das Feld gesprintet, die Scheibe holten wir uns, Punkt für Punkt. Erfolgreich hatten wir 13 Punkte erspielt bevor die Spielzeit aus war. 13:4 war der Finale Score im ersten Spiel für die Seagulls, ein guter Start.

Nach einer kurzweiligen, kuscheligen Pause mit den Hardfischen am Strand ging es nach dem Warm-Up weiter ins zweite Spiel gegen die Saxy Berries, einem bunten Strauch an Beeren aus Leipzig und Halle. Auch sie waren in der Überzahl mit knapp drei Beach Lines, doch wir ließen uns nicht von der Quantität beeindrucken. Wir kämpften weiter, cutteten, huckten auch mal weite Würfe tief über das Feld in die Endzone, flogen waagerecht über den Sand und punkteten! So holten wir auch das zweite Spiel vor Ende der Spielzeit souverän 13:3 ab.

Anschließend gönnten wir uns eine Mittagspause am Buffet der Greifswalder: warme Kürbissuppe, eine Vielzahl von Salaten, heiße Waffeln und Pommes mit Mayo von der Imbiss-Bude am Strand. Geilo!

Gestärkt und motiviert ging es am späten Nachmittag weiter ins dritte und letzte Spiel des ersten Turniertages. Wir spielten gegen Margie aus Marburg. Ein starkes Damen-Team aus acht mutigen Spielerinnen, die ebenfalls ihre ersten beiden Spiele gewonnen hatten. Wir waren beeindruckt und verdattelten gleich ein paar Punkte zu Beginn. Unsere Mama-Möwen und Coaches konnten unsere Aufregung sofort wieder beruhigen und uns durch ihre gelassenen Ansagen überzeugen, dass wir das stärkere Team sind. Wir gewannen unser Selbstvertrauen zurück und glaubten wieder an uns, fanden ins gewohnte Spiel und punkteten. Harte Arbeit, doch wir hatten wieder Bock zu zocken! Das letzte Spiel des Tages holten wir souverän mit 13:6 vor Ende der Spielzeit und verabredeten uns zum gemeinsamen Abendessen mit den Hardfischen. Was für ein erfolgreicher erster Spieltag!

Am Abend folgte ein schöner Ausklang des Tages, gemeinsam schnippelten wir Gemüse und Salate. Unser Chefkoch Melo bereitete Pasta mit Carbonara- und Tomatensoße zu und gesellte sich erst dann zu uns als all seine italienischen Köstlichkeiten auf den Tellern verteilt waren. Zwischen den Gängen wurde gesungen, gelacht, Witze erzählt und zum Schluss kreierten die Jungs noch ein fantastisches Dessert für uns. Am warmen Ofen des Ferienhauses der Hardfische wurde entspannt, die Faszien gerollt und über dies und das gesprochen. Brav ging es vor Mitternacht ins Bett, um am nächsten Morgen ab 9 Uhr wieder mit Warm-up am Strand zu starten.

Grundsätzlich sind Sonntagmorgen-Spiele bekannt dafür, um wach zu werden. Nicht bei uns, wir waren bereits wach und hellauf begeistert, im Halbfinale gegen die JINX aus der Hauptstadt zu stehen. „Sieben Jinx!“ war ihr Cheer, den sie auch versuchten unseren kleinen Fans beizubringen. Doch die cheerten nur für uns: „SEA-GULLS!!! SEA GULLS!!! SEA  SEA  SEA !!!“ „KRRR-KRRR-KRRR!“ stimmten wir mit ein und zogen unsere Energiekette automatisch nach oben. Wir gingen in Führung und gewannen das Halbfinale mit 13:6 und waren verdientermaßen erschöpft.

In der Pause feuerten wir unser Open Team Hardfisch gegen WallCity aus Berlin an. Als Dank begleiteten uns die Jungs durch unser letztes Spiel der Meisterschaften im Finale gegen MARGIE aus Marburg. An dieser Stelle muss erwähnt werden, das sich Piet extra für uns gegen den Kindergeburtstag, zu dem Mama und er eigentlich fahren wollten, entschieden hatte, um uns bis zum Ende des Finales anzufeuern! Die Freude war unendlich groß sowie die Erleichterung, dass auch Judith uns als starke Seagull im Finale weiterhin unterstützen würde.

Aus unerklärbaren Gründen starten wir unser letztes Spiel ohne die gewohnte Führung, wir lagen 0:2 zurück. „Die anderen dürfen auch Punkte machen.“ Allerdings durften wir den Abstand nicht zu groß werden lassen, sonst würde das Aufholen schwer werden. Nachdem wir den kleinen Schock zu Beginn verdaut hatten, holten wir auf und fanden in das gewohnte Spiel zurück. Trotzdem wollte so einiges nicht gelingen, es gab zahlreiche Turns, Layouts, Defenses, Drops und die Zeit lief plötzlich gegen uns. Der Ausgleich war beim 5:5 gemacht und nach einem nicht enden wollenden Punkt auch das 6:5 geschafft. Die Puste reichte noch, wir mussten die Schnäbel zusammenbeißen und trotz schwerer Beine und müden Armen die Scheiben aufeinander abgestimmt zupassen. Der Zeitpunkt war gekommen, um das Spiel zu drehen. Piet sollte nicht umsonst den Kindergeburtstag abgesagt haben! Es war als ob da so ein Knistern in der Meeresluft läge, die Sonne schob sich zaghaft durch die Wolkendecke als wollte sie den Wolkenvorhang beiseiteschieben: Vorhang auf für die letzten Minuten des Finales der ersten Deutschen Meisterschaft im Beach Ultimate Frisbee. Punkt für Punkt bauten wir unseren Vorsprung auf und plötzlich hatten wir es geschafft, das Finale mit 10:5 gewonnen und den Titel „Deutscher Meister im Beach Ultimate“ verdient!

Ende gut, alles gut. Die Sonne durchbrach letztendlich auch noch die Wolkendecke und schenkte uns den restlichen Nachmittag noch herbstliche warme Sonnenstrahlen und einen wolkenlosen, strahlend blauen Himmel in Greifswald. Wir gönnten uns noch Pommes an der Imbiss Bude am Strand und später noch ein Fischbrötchen in der Stadt und fuhren stolz wie Bolle über unsere gullaktische Leistung nach Hause mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und der Qualifikation für die EBUCC 2018 in Barcelona!

Den ersten Deutschen Meister im Beach Ultimate Frisbee erkämpften: Svenja Pruns, Helen Kraft, Judith Eggers, Britta Kippcke, Anneke Döring, Anne Senkel, Esther Kunay, Inga Narjes und Claudia Pfeil

Wir bedanken uns:

  • für einen wunderschönen Abend und die Unterstützung an der Sideline bei den Hardfischen,
  • für die 1A-Orga bei dem Greifswalder Team Griffin‘s Lehre,
  • für die starke Sideline bei unseren kleinen Fans
  • für den super Support und die tollen Fotos bei  Lars
  • für die Gullheit unserer neuen Coaches & Mama-Möwen Sven + Helen