UFO Alarm 8

Samstag früh am Morgen. Es ist noch dunkel und ungemütlich. Kurz vor sieben findet sich an den S-Bahnstationen Stellingen und Holstenstraße der Alsterkutter zusammen. Noch nicht ganz ausgeschlafen geht die Fahrt vor Sonnenaufgang in Richtung Osnabrück. Der eine oder andere kämpft zu diesem Zeitpunkt noch mit den Nachwehen der eben zu Ende gegangenen Weihnachtsfeier. Doch zweieinhalb Stunden im Auto lassen sich gut nutzen. Zeit für etwas Schlaf oder um sich die maßgeschneiderten Taktikvariationen des Trainerteams anzueignen.

 

Angekommen in Osnabrück wartet das Frühstück in der Schulcafeteria, während nebenan bereits die ersten Spiele beginnen. Unser Dank gilt an dieser Stelle dem Organisationsteam, welches uns in den spätesten Zeitslot geschoben hatte und dadurch noch 30 Minuten für die entspannte Ankunft schenkte.

Gut aufgewärmt konnte es dann um 10:30 Uhr auf's Feld gegen die Bonobos aus Bochum gehen. Von Beginn an wach sein, das Spiel gleich in die eigene Hand nehmen; dieses Credo wird ja eigentlich vor jedem Spiel noch einmal bemüht. Aber dieses Mal gelingt es. Bereits in den ersten Punkten zeigt sich die Hamburger Defense aufgeweckt. Abwechselnd werden die Bochumer mit dem neu konzipierten Links Auf und der überarbeiteten Zone-Defense vor immer neue Probleme gestellt. Gleichzeitig präsentiert sich die Offense ausgeschlafen und geduldig. Immer wieder gelingt es, aus der taktischen Grundaufstellung heraus, die gegebenen Räume flexibel zu nutzen. Sodass oftmals auch noch die zweiten Optionen erfolgreich in Punkte umgewandelt werden können. So entwickelt sich über die Laufzeit des Spiels kontinuierlich ein beruhigendes Punktepolster, welches schließlich auch zu dem deutlichen Endergebnis von 14:6 zu Gunsten der Hamburger führt.

Unabhängig von dieser guten Leistung war jedoch klar, dass im zweiten Spiel ein stärkerer Gegner warten würde. Das Turnier, im Swiss Draw Modus angelegt, wurde so konzipiert, dass alle Teams zunächst vier Runden gegen ähnlich starke Gegner spielen, bevor anschließend in drei Pools die Halbfinals und Finalspiele ausgespielt werden. Somit folgte auf das starke Ergebnis aus der ersten Runde auch ein starker nächster Gegner – die gastgebenden UFOs. Auch dieses Spiel beginnt auf Augenhöhe, jedoch kann der Alsterkutter gegen den sehr wachen und energischen Gegner nicht die Konzentration halten.

Nach unserer 5:3 Führung schaffen es die Osnabrücker die Punkte ohne größere Gegenwehr in einer Reihe nach Hause zu bringen, während der mittlere Teil des Spiels an den Hamburgern komplett vorbei geht. Dass der Endstand mit 7:10 noch einigermaßen knapp ausfällt, liegt an der besseren Schlussphase, aber auch daran, dass die UFOs einen Gang zurückschalten.

Mit dieser ersten Ernüchterung wurde auch deutlich, dass unter großem Defensivdruck die eingeübten Spielzüge noch wackelig sind. Insbesondere gegen die sehr gut organisierte Zone der Osnabrücker schlichen sich doch wieder Ungenauigkeiten in das eigene Spiel ein. Im Nachhinein betrachtet kam diese Erkenntnis aber vielleicht zum richtigen Zeitpunkt. So konnten vor dem dritten Spiel die eigenen Schwächen noch einmal besprochen werden. Das Spiel gegen die Funaten aus Hannover entwickelt sich im Anschluss extrem eng. Die Punkte sind heiß umkämpft, kaum mal ein schneller Spielzug aus dem Lehrbuch, immer wieder schaffen es beide Teams, dem Gegner die ersten Optionen wegzunehmen. Letztendlich gelingt es dem Alsterkutter dann noch das eine oder andere Mal häufiger die Offense durchzubringen, in einem bis zum Ende spannenden Spiel steht am Ende der knappe Sieg mit 9:7.

Und dieser brachte den achtköpfigen Alsterkutter vor der letzten Spielrunde im Swiss Draw wieder unter die Top 4 und somit in die Situation, ihre Position im nächsten Spiel halten zu müssen um die Chance auf die vorderen Plätze zu wahren. Gegenüber die Caracals aus Wuppertal. Auch in diesem Spiel zeigen sich die Hamburger als das konzentriertere und besser eingespielte Team. Die Offense ist eingespielt und zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aus der Ruhe zu bringen. Selbst längere Punkte werden sicher ausgespielt, alle Hamburger auf dem Platz zeigen spätestens jetzt, dass sie ein Repertoire an Indoor-Würfen und Spielzügen beherrschen. Damit einhergehend ist die Defense in diesem Spiel absolut präsent. Immer wieder mit einer Hand dazwischen, immer wieder auch in der richtigen Position um das Spiel der Wuppertaler effektiv zu unterbinden. Die Zone entfaltet unter diesen Voraussetzungen ihre ganze Kraft und beweist sich spätestens jetzt als sehr probates Mittel, um die Räume und Optionen der gegnerischen Offense massiv einzuschränken. 12:5 das Endergebnis, sicherlich deutlicher als vor dem Spiel erwartet.

Nunmehr auf Position zwei gesetzt, erspielen sich die Hamburger souverän das Halbfinale. Auch die Caracals behalten ihre Position in den Top vier und müssen nun als Vierter gegen die noch ungeschlagenen Gastgeber antreten, während der Alsterkutter auf die drittplatzierten Bonnsais trifft. Entgegen der bisherigen Spielverläufe startet dieses Halbfinale denkbar schlecht. Die Hamburger verpassen den Start komplett – 0:3 das eindeutige Ergebnis auf dem Scoreboard nach den ersten Minuten. Doch ab jetzt sind alle da. Mit dem lautstarken Support von der Sideline folgt auf den ersten eigenen Punkt auch gleich das erste Break und das zweite hinterher. Aus 0:3 mach 3:3. Doch auch die Bonner fassen sich rechtzeitig wieder. Ab jetzt ist es ein Spiel ohne klar erkennbare Tendenz. Bonn, meist mit einem Punkt in Front, schafft es nicht, den Alsterkutter abzuschütteln, dieser wiederum ist selbst aber nicht in der Lage, die erkämpften Turns in die Endzone zu bringen. Erst kurz vor Ablauf der Spielzeit liegen die Hamburger zum ersten Mal in diesem Spiel in Führung: 8:7 das Spielergebnis nach Ablauf der regulären Spielzeit. Die Bonner mit Scheibenbesitz zeigen sich davon unbeeindruckt, bringen ihr Spiel durch und erzwingen so die Entscheidung im Universe Point. Aber auch Hamburg ist nicht aus dem Konzept zu bringen. Mit vielen Swings und geduldiger Spielweise gelingt es, die Scheibe durch die engen Räume bis in die Endzone zu bringen. 9:8, Finale!

Dort wie erwartet das Rematch gegen White UFO, welche sich zuvor deutlich gegen Wuppertal durchsetzen konnten. Die Geschichte des Finales ist schnell erzählt. Während wir im ersten Spiel gegen den Druck der Osnabrücker den eigenen Faden verloren hatten, behielten wir nun die Übersicht im eigenen Spiel und schafften es zudem, auf der anderen Seite eine Defense zu stellen, welche das UFO zu einigen Fehlwürfen zwang. Ein Spiel auf Augenhöhe, das hatten wir uns nach der deutlichen Niederlage für das Rematch gewünscht und wir bekamen es. Die Punkte wurden zunächst getradet, aber doch mit der Tendenz, dass Hamburg doch noch einen Schritt schneller und in mehreren Situationen eine Fingerspitze voraus war. Das Signal zum Spielende ertönte beim Stand von 9:7, das Spiel war tatsächlich gewonnen. Ein Fehlwurf und ein langer Wurf der Osnabrücker zum Abschluss. Wieder 9:8, das Ergebnis unerheblich, das Finale gewonnen. UFO-Alarm 2016 an den Alsterkutter nach Hamburg!

Im ersten Vorbereitungsturnier auf die Open DM gleich zu zeigen, was dieses Team leisten kann; dabei auch Fehler zu machen und eigene Schwächen kennen zu lernen und diese im Laufe eines Tages auch zu überwinden ist wertvoll. Und unabhängig von den Ergebnissen dieses Wochenendes bleibt beim Schreiben dieses Berichtes vor allem dieses Gefühl. Dass sich hier gerade ein Team findet, in welchem man füreinander da ist, in welchem man an der Sideline wach bleibt und die Fünf auf dem Feld in jeder Situation unterstützt. Kaum mal ein Kopf der resignierend nach unten geht, kein Unmut auf Grund einer Wurfentscheidung. Gegenseitiges Vertrauen im Wissen um die eigenen Stärken und eine positive Grundeinstellung. Dazu passend, dass neben dem spielerischen Erfolg mit dem Turniersieg in Osnabrück auch der Spiritpreis nach Hamburg ging.

In Osnabrück für den Alsterkutter mit dabei: Alain, Enrico, Hagen, Michi, Philipp, Robert (Bambi), Robert (Bob) und Tommy.

Merci vielmals Jungs, das war großartig!